Forderungen

Forderungskatalog

Bereits im Sommer 2009 haben sich über 270.000 Menschen am Bundesweiten Bildungsstreik für freie Bildung und gegen die Ökonomisierung und Missstände im bestehenden Bildungssystem beteiligt. Da auf viele Worte wenige Taten seitens der Politik gefolgt sind, wird weiterhin an bereits vorhandenen Forderungen festgehalten und sich aktiv für Veränderungen eingesetzt.

Weltweit besteht die Forderung, Bildung als Menschenrecht nicht nur anzuerkennen, sondern auch durchzusetzen. Vor wenigen Wochen hat die Protest- und Besetzungswelle in Österreich eingesetzt und unmittelbar den bereits geplanten „Heißen Herbst“ in Deutschland eingeläutet.

Die aktuelle Bildungsstreikwoche hat durch ihre Protestaktionen und Besetzungen im gesamten Bundesgebiet erneut den Unmut vieler Beteiligter des Bildungswesens in den Fokus der Öffentlichkeit gesetzt.

Im Folgenden ein Zitat zu den aktuellen Protesten von dem Vorsitzenden des Evangelischen Hochschulbeirats:

„Die Studienreform des Bolognaprozesses verschärfe nämlich die Tendenz <<Studiengänge weniger als Bildungs- denn als Ausbildungsgänge zu konzipieren. Die Bedingungen dafür im Studium eine grundständige wissenschaftliche Kompetenz, Kritikfähigkeit, selbstständiges Methodenbewusstsein und ethisches Reflexionsbewusstsein zu gewinnen, seien dadurch nicht sicher gestellt.>>“

Auch wir als Studierende der Evangelischen Fachhochschule Bochum unterstützen den Forderungskatalog der SchülerInnen und Studierenden des Bundesweiten Bildungsstreiks, der im Anschluss an den EFH-Forderungskatalog aufgeführt wird.

 

Forderungen der Studierenden der EFH Bochum:

1. Sozialethisches Selbstverständnis

An einer Evangelischen Fachhochschule, die den Anspruch hat, Menschen für soziale Berufe zu qualifizieren und weiterzubilden, sollten folgende Punkte nicht nur theoretisch vertreten sondern auch praktisch gelebt werden:

a. Keine Selektion und Schaffung von Ungleichheit durch Studienbeiträge.

b. Bildung muss Selbstbildung sein! Das heißt: Flexible Studien- und Stundenplanung, Ermöglichung der freien, eigenen Schwerpunktsetzung, selbstbestimmtes Lernen statt starrem Zeitrahmen, ohne Leistungs- und Konkurrenzdruck.

c. Keine Selektion durch Quotierung der Abschlussnoten der Bachelor-Studierenden.

d. Wir fordern mehr Öffentlichkeitsarbeit seitens der EFH in Bezug auf die Anerkennung der BA-/MA-Abschlüsse und der hier studierbaren Berufsbilder in den jeweiligen Institutionen in der Gesellschaft.

 

2. Studienbedingungen

a. Angemessene Seminargrößen, die eine konstruktive Auseinandersetzung und einen Diskurs zur jeweiligen Thematik ermöglichen.

b. Größeres, vielfältigeres Lehrveranstaltungsangebot, um die Möglichkeit einer individuellen Schwerpunktsetzung zu gewährleisten.

c. Bedarfsorientierte Einstellung von Lehrpersonal, um der Vielfalt der Studiengänge und Anzahl der Studierenden gerecht zu werden.

d. Modifikation der Lehrveranstaltungsevaluation mit dem Ziel einer konstruktiven Rückkopplung in den jeweiligen Lehrveranstaltungen. Darüber hinaus muss die Entscheidung über die zu evaluierenden Lehrveranstaltungen bei der AG Evaluation liegen.

e. Prüfungen müssen verstandenes und nicht eigens dafür auswendig gelerntes Wissen abfragen. Das ist nicht mit einer Häufung von Mini-Prüfungen getan.

f. Wir fordern, dass bei allen mündlichen Prüfungen ein/e Beisitzer/in anwesend ist.

g. Wir fordern, dass die Lehrenden eines Moduls sich bzgl. der Lehrinhalte absprechen.

h. E-learning darf nicht die Präsenzlehre ersetzen, sondern muss diese konstruktiv ergänzen. Hierfür sind entsprechende Schulungen der Lehrenden notwendig.

i. Erhöhung des Praxisbezugs im Studium durch die Einstellung von Praktikern als Lehrbeauftragte, da dies zum Leitbild einer Fachhochschule gehört.

j. Die Ausweitung der Praktikumsmöglichkeiten ist notwendig.

k. Sicherstellung der wissenschaftstheoretischen Lehre und Rückkoppelung aktueller Forschungsergebnisse durch die ProfessorInnen.

l. Wir fordern die Gewährleistung der Hochschulmobilität im In- und Ausland.

m. Die Abschaffung der Zulassungsvoraussetzungen für die einzelnen Module ist notwendig.

n. Wir fordern die Einführung eines freiwilligen, kostenlosen Anerkennungsjahres anstatt den bisherigen Hochschulspezifischen Regelungen.

 

3. Hochschuldemokratie

Die Bachelor-/Master-Umstellung lässt den Studierenden zu wenig Zeit, sich an der studentischen Selbstverwaltung aktiv und über einen längeren Zeitraum zu beteiligen. Die hochschulinterne Politik bedarf einer Nachbesserung, die einem wahren Demokratieverständnis Rechnung trägt.

a. Wir fordern eine paritätische Besetzung der Gremien.

b. Wir wollen zusätzliche Räume für die studentische Selbstverwaltung, sowie einer gleichberechtigten Nutzung aller Hochschulmedien.

c. Die Hochschulöffentlichkeit muss transparenter, zeitnah und umfassend über aktuelle hochschulpolitische Entscheidungsprozesse informiert werden.

d. Wir fordern die Freihaltung der Gremienzeit von sämtlichen Lehrveranstaltungen.

 

 

4. Forderungskatalog des Bildungsstreikes im Winter 2009


Forderungen und Selbstverständnis der SchülerInnen:

a. Eine Schule für Alle – Weg mit dem mehrgliedrigen Schulsystem!

b. Kostenlose Bildung für Alle!

c. Mehr LehrerInnen , kleinere Klassen!

d. Beendet den Einfluss der Wirtschaft auf die Schulen!

e. Gegen Schulzeitverkürzung! Wie dem G8-Abitur!

f. Schluss mit Repressionen gegen Schüler und Schülerinnen!

g. Für eine Demokratisierung des Bildungssystems!

h. Weg mit Kopfnoten!

 

Forderungen und Selbstverständnis der Studierenden:

1. Soziale Öffnung der Hochschulen:

a. Den Abbau von Zulassungsbeschränkungen durch den Ausbau von Studienplätzen!

b. Die Abschaffung von Studiengebühren und die gesetzlich verankerte Gebührenfreiheit von Bildung!

c. Die finanzielle Unabhängigkeit von Studierenden außerhalb von Krediten!

 

2. Abschaffung von Bachelor/Master in der derzeitigen Form:

a. Die Abkehr vom Bachelor als Regelabschluss!

b. Das Ende von Verschulung, Regelstudienzeit und Dauerprüfung!

c. Die Möglichkeit individueller Schwerpunktsetzungen im Studium!

d. Die tatsächliche Umsetzung der Mobilität zwischen den Hochschulen!

 

3. Demokratisierung des Bildungssystems:

a. Den Abbau von wirtschaftlichen Zwängen im Bildungssystem!

b. Die Mitbestimmung aller Beteiligten im Bildungssystem unter anderem durch Viertelparität in den Hochschulgremien!

c. Die Einführung verfasster Studierendenschaften mit politischem Mandat in allen Bundesländern!

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